Es ist schon erstaunlich wie sich der Entwicklungsprozess von “normalen” Webseiten in den letzten Jahren verändert hat. Ich denke da manchmal mit gemischten Gefühlen an meine alte Agenturzeit vor etwa 3-5 jahren zurück. Da gab es noch keine fertigen Design-Templates, freie Stockarchive, Web2.0 Anwendungen, Blogs, etc. Alles wurde kundenindividuell entwickelt und gestaltet. Ich bin mir eigentlich fast sicher dass auch heute noch einige Agenturen nach diesem Prinzip arbeiten….
Da wir aber neben unserer Webseite noch hundert andere Kleinigkeiten zur Gründung unseres Unternehmens vorbereiten wollten und die Kosten im Rahmen bleiben sollten musste die Webseite so effizient wir möglich gestaltet werden. Not macht erfinderisch, und das hieß für uns:
- ToDos in kostenlosem und erstklassigen Projektmanagementtool Zoho Projects anlegen und administrieren
- Konzept mit OpenOffice erstellen (Hatte bisher noch nicht mit OO gearbeitet und bin begeistert…)
- Design ausschreiben und zusätzlich Contest bei 99Designs starten
- Template bei Templatemonster raussuchen
- Bilder im freien Stockarchiv iStockphoto raussuchen, wir haben dort Illustrationen gefunden die wie für uns gemacht waren…
- Nun kommt das, was in diesem fast “industriell arbeitsteiligen” Prozess noch an echter (teurer) Handarbeit nötig ist: Template mit CMS verheiraten (Eugen, etwa 2 Tage), Grafiken bearbeiten (Benni, etwa 1,5 Sommerabende und eine Flasche Rotwein) und Inhalte in CMS einpflegen (Michael, etwa ein Arbeitstag) Alles in allem hat der reine Produktionsprozess etwa 5 Arbeitstage in Anspruch genommen..
Was lernen wir daraus? Ist das jetzt neu? Nein, es reicht wenn wir etwa 200 Jahre auf den Prozess der Industrialisierung zurückblicken. Ein ähnlicher Prozess findet derzeit meines Erachtens im Bereich Webentwicklung statt, nur das dessen Geschwindigkeit um einiges schneller ist. Die klassische Agenturidee repräsentiert für mich die Idee der “Manufaktur”, alles wird individuell, qualitativ hochwertig und von Hand hergestellt. Aus meiner Sicht ein Auslaufmodell und nur noch in Nischen überlebensfähig… Der Massenmarkt wird zukünftig von spezialiserten und arbeitsteilig Hand in Hand arbeitetenden Spezialdienstleistern abgedeckt werden… Web2.0 Plattformen werden für einen ausreichend großen Markt für Anbieter und Nachfrager und für fairen Wettbewerb sorgen. Sollen bei dieser Entwicklung im Hochlohnland Deutschland jetzt auf die Barrikaden gehen? Nur zur Erinnerung, bei 99Designs konkurrieren Grafiker aus Deutschland mit Mindestvorstellungen von 40 EUR Stundensatz mit asiatischen Grafikern die für diesen Betrag eine ganze Woche komfortabel leben können! Weit gefehlt, besinnen wir uns auf unsere Kernkompetenzen und den Kundennutzen: Was zählt ist das optimale Ergebnis mit dem maximalen Kundennutzen zum optimalen Preis. Und wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, dann muss sich auch der Produktionsprozess ändern, wer das als Chance begreift hat meines Erachtens eine goldene Zukunft vor sich…